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Auch bei den Schreibtipps finden sich jetzt immer mehr interessante Interviews. Hier direkt folgend ein Interview mit Eva-Ruth Landys über ihren neuen Roman "Stadt der Schuld" mit wunderbaren Tipps für das Schreiben von erotischen Szenen, Social-Media und einer LESEPROBE! Und direkt nachfolgend ein Interview mit Nicole Steyer,

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Interview mit der Autorin Eva-Ruth Landys mit vielen Tipps für Liebes- und erotische Szenen und natürlich auch über ihren neuen Roman "Stadt der Schuld"

 

Lea Korte: Liebe Eva-Ruth, das 19. Jahrhundert und der englische Liebes- und Gesellschaftsroman sind dein Markenzeichen. Wie kommt es, dass es dich gerade nach England zieht?

Eva-Ruth Landys: Ich glaube, das ist eine Typfrage. Sowohl, was mich als Autorin betrifft, wie auch die literarischen Eigenheiten des Landes. Das muss ich näher erklären: Mir wurde irgendwann bewusst, dass jedes Land, jede Nation so ihren Erzählduktus mitbringt. Französische Geschichten fühlen sich einfach ganz anders an als amerikanische, deutsche wieder anders. Bestimmte Plots können nur ein einem bestimmten Land stattfinden, das ist nicht beliebig. Mir selbst liegt die englische Erzählweise sehr. Ich liebe sowohl englische Literatur, besonders die Klassiker, wie auch englische Filmerzeugnisse über alles. Ich glaube, ich habe mich in den letzten Jahrzehnten so damit „vollgesogen“, dass ich irgendwie, als ich selbst begann zu schreiben, gar nicht anders konnte als „englisch“ zu erzählen. Tatsächlich liegt mir auch der Menschenschlag, die Landschaft, selbst Essen und Wetter auf der Insel (man glaubt es kaum ;-) sehr. Ich reise oft dorthin.

Lea Korte:Was sind die wesentlichen Elemente eines „Gesellschaftsromans“? Welche Kriterien muss ein Roman erfüllen, um in dieses Genre zu passen? Wie siehst du die Chance für „Newcomer“? Was müssen sie beachten?

Eva-Ruth Landys: Eine nicht ganz leicht zu beantwortende Frage, da es immer viele Überschneidungen zwischen den Genres gibt. Jedoch kann auch hier die englische Literaturgeschichte weiterhelfen. Im 19. Jahrhundert gab es eine Auseinandersetzung zwischen Henry James, einem der wichtigsten Vertreter des Genres Gesellschaftsroman, und Stevenson, dem sehr bekannten Autor der Schatzinsel und anderer Abenteuerromane. Stevenson stellte die spannende Handlung als wichtigstes Element eines Romans dar, James betonte mehr die „innere“ Entwicklung der Charaktere, was nicht heißt, dass ein Spannungsroman keine Charakterentwicklungen aufweist und ein Gesellschaftsroman per se handlungsarm ist. Wichtig scheint mir der Schwerpunkt. Bei meinen Romanen ist, obwohl die Handlung sehr spannend ist und rasant nach vorne eilt, der Fokus trotzdem auf dem Innenleben der Figuren, selbst die Nebenfiguren werden psychologisch sehr genau gezeichnet. Außerdem ist es mir wichtig ein realistisches Bild der (damaligen) Gesellschaft zu zeichnen. Wer einen meiner Romane liest, hat anschließend, so hoffe ich, ein besseres Verständnis für gesellschaftliche Strukturen und Entwicklungen und insbesondere die Rolle der Frau darin.

Aus literarischer Sicht kann man wohl jungen Autoren Folgendes auf den Weg geben: Schreibt zunächst das, was ihr selbst wirklich gerne lest. Denn dann seid ihr am ehesten im richtigen Erzählton. Jedes Genre hat seine Eigenheiten, seinen Rhythmus, seine Tonart. Einem Rockmusiker würde es auch kaum gelingen, ein Jazzstück aus dem Stand zu schreiben, dazu braucht er Wissen und Erfahrung und das braucht Zeit.

Lea Korte: Kannst du etwas zum Entstehungsprozess deines letzten Romans erzählen? Wie gehst du vor? Wie recherchierst du? Plottest du oder schreibst du „einfach drauflos“?

Eva-Ruth Landys: „Stadt der Schuld“ ist der zweite Teil einer Trilogie über das victorianische Zeitalter. Dabei handelt es sich nicht um in sich abgeschlossene Romane, sondern im Grunde um einen großen Roman in drei Teilen (vielleicht strukturell vergleichbar mit Krieg und Frieden). Die Handlung ist sehr vielschichtig und komplex. Den Hauptprotagonisten bleibe ich in allen drei Teilen treu, jedoch ändert sich ihr gesellschaftliches Umfeld, ihre Lebenswelt, auch die Menschen mit denen sie interagieren. Da wird schon klar, dass man so etwas nicht einfach herunterschreiben kann. Ich habe sehr viel recherchiert und sorgfältig geplottet. Ich arbeite mit Hilfsmitteln wie einem Flipchart und graphischen Darstellungen, um die Handlung zu strukturieren. Dabei spielt z.B. auch das Tempo der Szenenwechsel eine Rolle, das man gut im Auge behalten muss. Eine sensible Angelegenheit!

Doch trotz aller genauen Planung entwickeln die Figuren bald ein Eigenleben (ein Phänomen, das wohl jeder Autor kennt). Manchmal wollen sie einfach nicht so, wie man es für sie vorgesehen hat und dann muss man bereit sein, die schöne Struktur wieder umzuschmeißen und den Figuren auf ihrem individuellen Weg zu folgen. Manchmal ist mir da schon das Hirn heiß gelaufenJ, aber es hat sich gelohnt. Die Figuren sind sehr lebensnah geworden, denke ich.

Lea Korte: Deine Trilogie wird vom Verlag und Kritikern als erotischer Gesellschaftsroman bezeichnet. Wie viel Erotik darf, wie viel Erotik muss in einen Roman hinein, der diesen Namen verdient? Und wie weit darf die Erotik gehen?

Eva-Ruth Landys: Ja, die Trilogie hat starke erotische Anteile. Das liegt daran, dass ich nicht nur verstehen wollte, was es mit der sehr komplexen Welt der Victorianer auf sich hat, sondern dass ich mich intensiv mit der Bedeutung von Sexualität auseinandergesetzt habe.

Das wichtigste Kriterium ist wohl: Ein erotischer Roman ist nie(!) pornographisch, wenn auch manchmal raue Dinge geschildert werden. Das ist etwas, was heute in der sogenannten erotischen Literatur oft außer Acht gelassen wird. Ein erotischer Roman sollte den Appetit anregen und das auf eine subtile Weise. Dazu gehört auch, dass man sich seinen Figuren mit Respekt nähert, dass man ihnen ihre Geheimnisse und ihre Privatheit trotz aller Nähe lässt. Am besten fragt man sich selbst, was man interessanter findet: Platte nackte Tatsachen, oder aber das gekonnte, reizvolle Spiel der Verführung?

Ein weiterer wichtiger Aspekt für mich ist: Die geschilderten sexuell geprägten Szenen sollten klar um der Handlung willen stattfinden und nicht um der bloßen Befriedigung der vermuteten erotischen Gelüste des Lesers willen. Manche Autoren, besonders amerikanische, die oft etwas formelhafter als europäische Autoren ihre Storys bauen, schreiben nach letzterem Schema. Ich finde, das spürt man den Geschichten ab. Es wirkt dann oft etwas gewollt und Kochrezept-mäßig und schon ist die Stimmung dahin – bei mir zumindest. Ich sehe es so: die Story muss durch die sexuelle Handlung wirklich vorangetrieben werden, ja, ohne das Geschehen könnte sich die Geschichte nicht weiterentwickeln. Dann ist es wirklich spannend und man geht als Leser voll mit. Das erfordert natürlich einen gut geplanten Plot.

Lea Korte:Ich weiß, dass du uns eine Leseprobe aus deinem neuen Roman mitgebracht hast. Können wir Sie jetzt lesen? Wann und unter welchem Titel erscheint dieser Roman? [Die Leseprobe erscheint am Ende des Interviews!]

Eva-Ruth Landys: Dabei handelt es sich um den Prolog aus „Stadt der Schuld“, das jetzt ganz aktuell in der ersten Septemberwoche erschienen ist beim Bookspot - Verlag, einem literarisch sehr engagierten Spartenverlag, der damit nun schon meinen dritten Roman verlegt. Der erste Roman der Trilogie heißt „Die dritte Sünde“. Dann folgt noch „Wege nach Eden“.

Lea Korte: Hast du ein paar besondere Tipps für angehende Autoren, wie man am besten solche Szene angeht? Und welches sind die Fehler, die einem auf keinen Fall unterlaufen dürfen? Was zeichnet einen guten Erotikroman aus?

Eva-Ruth Landys: Bleiben wir einfach kurz bei dem Beispiel aus „Stadt der Schuld“. Wie man sieht, eine recht krasse SM-geprägte Szene, die den Leser, so hoffe ich, mit einem Fragezeichen zurücklässt und vielleicht auch ein wenig verstört. Erst im Verlauf des Romans wird klar, wer hier mit wem zugange war, und warum. Vor allem, wie er sich dabei fühlt – und das ist nicht gerade gut, das kann ich schon verraten ;-). Doch eines wird hier schon deutlich: Weniger als die sexuelle Handlung selbst spielt es für den Eindruck von der Szene eine Rolle, was in der Köpfen der Handelnden dabei vor sich geht. Sex findet eben nun mal hauptsächlich im Kopf statt und das gilt es herauszuarbeiten, um einer Szene die entsprechende Würze und den nötigen Duktus zu geben. Diese Szene hier hat zum Bsp. einen bestimmten Dreh am Schluss. Empfindet man den Mann zunächst(erwartungsgemäß) als brutalen Täter, wird zum Schluss angedeutet, dass er eigentlich mehr das Opfer ist, zumindest leidet er unter dem, was er da tut, vielmehr, was da mit ihm passiert. Er fühlt sich seiner Lust ja geradezu hilflos ausgeliefert.

Ich sehe es so: Ein guter Erotikroman setzt eben gerade nicht platt auf Sex. Viel wichtiger ist es, die Figuren glaubhaft und plastisch werden zu lassen. Was treibt sie an? Warum handeln sie, wie sie handeln? Wie fühlen sie sich sonst in ihrem Leben? Nur dann, wenn dem Leser das klar wird, kann er sich ganz in die Situation hineinfühlen und somit auch in die Erotik. Interessant ist auch ein weiterer Aspekt mit dem ich bei der Trilogie oft spiele: Was beim einen richtig sein kann, kann beim anderen genau das Falsche sein. Das lässt sich in vielen Feldern durchexerzieren und ist letztlich eine Frage der … nennen wir es ruhig so … moralischen Wertung. Ehebruch, Homosexualität, sexuelle Neugier und … und … und, entscheidend ist die Haltung der Figuren und ihre Motivation in der Situation. Die bloße unmotivierte Schilderung von sexuellen Handlungen ist dagegen nichts weiter als Pornographie.

Lea Korte:Dein erster Roman hatte Thriller-Elemente, jetzt schreibst du an einem Krimi – wie kommt es, dass du nun schon mehrmals das Genre gewechselt hast?

Eva-Ruth Landys: Den ersten Roman schrieb ich, weil ich schon alles von Jane Austen und den Brontë-Schwestern gelesen hatte, was ich nur irgend bekommen konnte. Auch die meisten BBC-Verfilmungen hatte ich gesehen, aber immer noch Bedarf, so schrieb ich mir einfach selbst eine Geschichte, wie ich sie gerne lesen würde. Heraus kam etwas, was zwischen Austen und Brontë angesiedelt ist. „Pflicht und Verlangen“ heißt der Roman um eine unglückliche romantische Affäre eines mittellosen Mündels mit ihrem verheirateten adeligen Nachbarn. Auch die Brontës arbeiten ja mit viel Psychologie und Thrilleraspekten und so geriet es auch bei mir immer mehr in die Richtung. Zum Schluss geht es wirklich um Leben und Tod. Doch letztlich habe ich das einfach frei „von der Leber weg“ erzählt.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich schnell langweile. Ich hätte Schwierigkeiten mich auf ein Genre auf Jahre komplett einzuschießen, d.h. immer mehr vom Gleichen zu produzieren. Ich suche auch literarisch die Herausforderung. Deshalb habe ich mir nach „Pflicht und Verlangen“, was recht leicht lief, dieses anspruchsvolle Romanprojekt der Trilogie vorgenommen. Hier bin ich auch handwerklich enorm gefordert und lerne sehr dazu. Zur Abwechslung nach dem zweiten Teil habe ich mir jetzt den Krimi vorgenommen, der zwar auch im 19. Jahrhundert spielt, aber ganz anders „getaktet“ ist. Ein Krimi hat sozusagen einen völlig anderen Rhythmus und ist ganz anders instrumentiert als ein historischer, breit angelegter Roman.

Zur Zeit schreibe ich gerade auch einen historischen Schwank für die Bühne im Auftrag einer Stadt. Ein Projekt, das ich kurz dazwischen schieben muss. Auch ein anderes Projekt steht noch an, diesmal zeitgenössisch und eher heiter, aber da will ich noch nicht zu viel verratenJ. Der Schreibstoff wird mir also die nächsten Jahre nicht ausgehen.

Lea Korte: Wie geht dein Verlag mit dieser „Mehrgleisigkeit“ um?

Eva-Ruth Landys: Sie tragen es mit FassungJ. Ich habe mit Bookspot zum Glück einen sehr ambitionierten Verlag gefunden, der seinen Autoren künstlerisch weitgehend freie Hand lässt, solange es noch in die Verlagsausrichtung passt. Vor allem kümmert sich mein Verleger bewusst nicht um gerade aktuelle Markttrends. (Wobei mir durchaus klar ist, dass das bei Großverlagen wie Heyne oder Droemer Knaur oft anders läuft und laufen muss, was auch völlig in Ordnung ist. Da gelten ganz andere Regeln.) Er verlegt Stoffe, von denen er überzeugt ist. Der Erfolg gibt ihm Recht. Bookspot hat sich in den letzten Jahren in Sachen anspruchsvoller historischer und Krimi -Literatur einen guten Namen gemacht. Dieses Jahr hat mein Verlagskollege Roland Spranger sogar den renommierten Glauser-Preis, die wichtige Krimiauszeichnung für seinen Thriller „Kriegsgebiete“ gewonnen. Wir waren alle mächtig stolz auf ihn.

Lea Korte: Nun muss natürlich auch die Frage kommen, die ich allen Autoren stelle – und die für Anfänger auf dem Buchmarkt eine der wichtigsten ist: Wie schnell ist es dir gelungen, deinen ersten Roman bei einem Verlag unterzubringen? Hast du von Anfang an gewusst, dass du es „schaffen“ wirst, oder gab es auch Momente, in denen du an dir gezweifelt hast?

Eva-Ruth Landys: Ich habe sogar sehr an mir gezweifelt. Ohne meine Tante, die auch Autorin ist und mich sehr ermutigte, hätte ich es nie gewagt, den Roman überhaupt jemanden anzubieten. Das war ja eigentlich nur so eine „Spielerei im stillen Kämmerlein“. Ich habe den Roman zunächst als das berühmte „unverlangt eingesandte Manuskript“ den üblichen Verdächtigen, also den Großverlagen zugeschickt, vielleicht insgesamt acht Verlage, und natürlich Absagen bekommen. Inzwischen weiß ich, dass das ohne Agentur auch wirklich vergebliche Liebesmüh ist, die man sich sparen kann. Dann stieß ich im Internet auf Bookspot - und die haben das Manuskript genommen. Im Grunde ging es also doch überraschend problemlos, obwohl auch Bookspot mit Manuskripten und Agenturanfragen zuhauf eingedeckt wird, wie jeder Verlag. Dass es so leicht ging, ist also eher die seltene Ausnahme.

Inzwischen habe ich aber auch eine Agentin und plane mit ihr bewusst weitere Buchprojekte.

Lea Korte: Du bist bei Facebook und auch sonst im Internet als Autorin sehr präsent. Für wie wichtig hältst du dies in Bezug auf eine Etablierung auf dem Buchmarkt? Welche Maßnahmen hältst du für am effektivsten?

Eva-Ruth Landys: Gute Frage! Auf die Social Media habe ich mich nur zögernd eingelassen. Die Autorin Petra Schier brachte mich drauf. Ich habe mir dann, trotz erheblicher Bedenken gegenüber diesem Laden, einen Facebook-Account zugelegt und mir gleichzeitig ein schlaues Buch zum Thema durchgelesen. Meine Erfahrung nach ca. 1 Jahr auf FB ist folgende:

-   Der Erfolg lässt sich nicht unmittelbar d.h. 1 : 1 in Verkaufszahlen messen, aber ohne geht es wohl nicht.

-   DasWichtigste ist und bleibt die eigene Website, die regelmäßig gefüttert werden sollte. Hier empfiehlt sich ein Angebot, das man am besten selbst bedienen kann … auch ohne Computercrack zu sein.

-   Man sollte sich auf ein Social Media konzentrieren, denn die Dinger sind absolute Zeitfresser! Da ist Vorsicht geboten! Fb liegt mir noch am ehesten, Twitter ist mir zu hektisch und ich habe Schwierigkeiten mich so kurz zu fassen. Andere Formen interessieren mich nicht so.

-   Wer sich auf Social Media bewegt muss sich im Klaren darüber sein, dass er auch mit der Münze der sozialen Teilnahme zahlen muss. Als reine Einweg-Werbe-Möglichkeit sind Fb und Co denkbar ungeeignet. Ich denke, da stellt sich auch langsam Ernüchterung am Markt ein.

-   Allerdings gilt für mich ein Tabu bezüglich meines persönlichen Umfeldes. Ich würde niemals Bilder meiner Familie oder Ähnliches posten. Ich nutze Fb im Grunde nur beruflich.

-   Vor allem Fb eignet sich gut zum kollegialen Austausch, ein echter Pluspunkt.

Einen guten Teil der Internetpräsenz steuert aber mein Verlag selbständig. Z.B. die Versorgung der Literatur-Blogger.

Lea Korte: Auch das Thema Agentur ist ein wichtiges Autorenthema. Was würdest du „Anfängern“ raten? Den direkten Weg zum Verlag – oder doch lieber „erst“ zur Agentur? Oder einfach mal „selber machen“? Wie hast du das gehandhabt?

Eva-Ruth Landys: Dazu habe ich ja weiter oben schon ein wenig erzählt. Ich denke, es kommt darauf an was man möchte. Klar ist, ohne Agenten an einen Verlag zu kommen, ist so gut wie unmöglich. Die Großen braucht man erst gar nicht zu fragen, bei den kleineren Spartenverlagen hat man evtl. noch Chancen. Will man vor allem verkaufen und in allen Buchhandlungen (vor allen Dingen den Ketten) wenigstens präsent sein, sollte man sich an eine Agentur und diese an einen Großverlag wenden. Dann muss man jedoch bereit sein, zu schreiben, was gerade gefragt ist. Und … wenn man die Zahlen nicht bringt, ist man auch wieder ganz schnell draußen. Auch werden die Großverlage immer ungemütlicher. Nur wenige ausgewählte Bücher werden entsprechend beworben, der Rest ist Schweigen. Seien wir ehrlich: die wenigsten von uns Autoren sind in der Lage, sich wirklich umfassend von ihrem Schreiben zu ernähren. Der tolle Bestseller ist und bleibt die absolute Ausnahme und die, die es dahin bringen haben oft viele Jahre handwerkliche Erfahrung. Der Buchmarkt wird immer hektischer und nervöser. Patentrezepte hat keiner, auch die Marketingstrategen der Großverlage nicht.

Ganz wichtig: bloß nicht auf dubiose Angebote hereinfallen von irgendwelchen Scheinverlagen, nur damit das eigene Werk gedruckt wird. Das lohnt nicht und kostet nur viel Geld.

Die ausgeprägte Selfpublisherszene sehe ich ein wenig kritisch. Auch wenn das eigene Werk eine Perle sein sollte, sie wird mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit in dem unübersehbaren Wust der grottigen Amazon-E-Books Marke Eigenbau untergehen. Ein richtiges Buch braucht einen Lektor, viel Geduld, Zusammenarbeit, ein professionelles Cover und eine klare Marketing-Strategie!!! 

Lea Korte: Hast du noch einen besonderen Tipp, den du „Jungautoren“ mit auf den Weg geben kannst?

Eva-Ruth Landys: Dazulernen wollen, sich handwerklich weiterbilden, viel lesen, vor allem Bücher, die es wert sind. Die gekränkte Eitelkeit vor allem gegenüber dem Lektor zu Hause lassen ;-) und sich darüber klar sein, was man eigentlich will. Will ich vom Schreiben leben können? Dann muss ich mich auch entsprechend professionell verhalten - heute mehr als früher noch. Aber man kann auch sehr professionell nebenberuflich als Autor tätig sein und seine Kreuzerle zum Leben anderweitig verdienen. Das bedeutet dann unter Umständen mehr künstlerische Freiheit. Wie gesagt, man muss sich fragen, was man möchte.

 

Ich danke dir für dieses Interview!

http://www.eva-ruth-landys.de
Herzlichen Dank für ein "Gefällt mir" auf ihrer Facebooksite sagt: Eva-Ruth Landys
http://www.facebook.com/landysnovels

LESEPROBE

Prolog

 Rüde griff er nach dem zarten Stoff ihres Untergewandes und riss es mit einem kräftigen Ruck entzwei. Ihre Brüste wurden sichtbar – jugendliche Straffheit mit hart aufgerichteten rötlichen Spitzen. Ihr Mund öffnete sich, einer blutigen Höhle gleich, und sie begann zu schreien. Er spürte, wie seine Lust machtvoll die Herrschaft über ihn errang, einmal mehr seinen kühlen Verstand verdrängte. Seine Hand umschlang rasch ihre Kehle und drückte zu. Der kaum gehörte Schrei verkümmerte augenblicklich zu atemlosem Röcheln. Verlangend leckte er sich die Lippen. Seine Männlichkeit ragte steil auf, schmerzte fast in der unsäglichen Gier. Ein weiterer Ruck an dem hauchdünnen Gewebe und auch ihre Scham lag frei vor ihm, wölbte sich leicht im Zentrum ihrer geschwungenen Hüften, die übersät waren von den bläulichen Malen seiner früheren Schläge. Er griff nach dem ledernen Gurt, der ein wenig breiter war als der, mit dem er zuvor ihre Handgelenke an einen der Pfosten des baldachinbekrönten Bettes gebunden hatte. Sie wand sich hin und her unter ihm in Erwartung der Schläge, die nun unweigerlich erfolgen würden – doch sie würde ihm nicht entfliehen und sie würde auch nicht mehr schreien. Sie wusste, was er von ihr erwartete. Der erste Schlag, dann schnell aufeinanderfolgend der zweite, dritte, vierte schwere Hieb! Ihr Körper hob sich ihm gepeinigt entgegen – offenbarte die blutunterlaufenen Spuren seiner Gewalttätigkeit. Er war sich sicher: Bald würde sie so weit sein. Schon ging ihr Atem heftig und stoßweise, zuckte und reckte sich ihr Unterleib nach seinem aufragenden Glied. Die tiefrote Spalte ihrer Vagina glänzte jäh auf in ihrem Schoß, den sie ihm nun weit öffnete. Keuchend warf er den Gurt fort, krallte grob beide Hände in ihre Brüste und drang schnell in sie ein. Es kostete ihn alle Mühe, sich nicht sofort zu ergießen. Seine Erregung war unglaublich groß. Doch das würde sie ihm später sicher wieder vorwerfen. Er hasste die Verächtlichkeit, mit der sie für gewöhnlich mit ihm sprach und doch reizte ihn ihre Lust bis zum puren Wahnsinn. Er spürte, wie das Blut in seinem Kopf pochte – die Bewegung seiner Lenden, ein hartes, rhythmisches, gleichsam stählernes Drängen. Zum Teufel! Er konnte nicht, vermochte nicht, noch länger zu warten …

  © Abdruck mit der freundlichen Genehmigung des Bookspot-Verlags. Alle Rechte beim Bookspot-Verlag, München.

 AUSZUG AUS EINEM KAPITEL:

Sie durcheilte den Gang mit den großen Fensterscheiben zum Hof hinunter, öffnete die zweite Tür und befand sich im eher düsteren Vorraum des Büros, den sie nun schon zum vierten Mal betrat. Mr Ashworth war wohl schon in sein Büro gegangen, jedenfalls wartete er auch hier nicht auf sie. Plötzlich packten sie Zweifel. Hatte sie seine Geste missverstanden? Er hatte ihr doch gewunken, oder nicht? Sie spürte, wie ihr Herz schneller zu schlagen begann. Zaghaft klopfte sie an die Holztür des Büros.

„Komm rein, Mädchen!“ Die Stimme von Mr Ashworth klang kräftig, aber nicht unfreundlich. Sie mochte seine Stimme. Er klang so selbstsicher. Anders als ihr Vater, den sie immer als ein wenig zu weich empfunden hatte. Vorsichtig öffnete sie die Tür und schlüpfte hindurch. Mr Ashworth saß nicht wie sonst hinter seinem Schreibtisch, sondern stand am Fenster, müßig gegen das Fensterbrett gelehnt.

„Du hast dich beeilt, wie ich sehe“, sagte er und richtete den Blick seiner hellbraunen Augen auf sie. Wie angewurzelt blieb sie in der Mitte des Raums stehen und nickte stumm. Mr Ashworths Blick machte sie nervös.

Er verzog die Mundwinkel zu einem schiefen Lächeln: „Das gefällt mir. Es freut dich wohl, wenn ich dich zu mir rufe.“

Sie nickte noch einmal und hob dann mutig das Kinn. „Ich habe darauf gewartet.“

„So?“, er zog erstaunt die Augenbrauen hoch. Ob er das Erstaunen spielte oder wirklich so meinte, wusste sie nicht zu sagen. „Du hast darauf gewartet, was du nicht sagst! Du scheinst ein sehr selbstbewusstes junges Fräulein zu sein.“

Nun sah sie ihm direkt in die Augen. Nur keine Unsicherheit zeigen, dachte sie. Sie wollte nicht, dass er sie fortschickte. Doch das schien er auch nicht vorzuhaben. Mit einer geschmeidigen Bewegung stieß er sich vom Fensterbrett ab und kam auf sie zu. Als er dicht vor ihr stand, nahm sie seinen Geruch wahr. Er roch sehr gut. Nach frischer Seife und irgendwelchen seltsamen Blumen oder Kräutern, die sie nicht kannte. Ein wenig Tabakduft war auch dabei. „Und warum wolltest du, dass ich dich rufe?“

Ihre Lider flackerten ein wenig, doch sie sagte kein Wort.

Sein Lächeln wurde eine Spur breiter, aber da war noch etwas anderes. Etwas in seinen Augen! Ein fremder, begehrlicher Ausdruck, den sie in den Augen ihres Vaters nie bemerkt hatte und der sie zugleich beunruhigte und erregte. Sie spürte, wie sie leicht zu zittern begann.

„Kann es sein, dass du neugierig bist, Mary?“

Sie war nicht imstande zu antworten.

Er beugte sich ein wenig zu ihrem Ohr hinunter und flüsterte: „Kann es sein, dass du wissen willst, wie es ist, eine Frau zu sein?“

Sie stockte, dann nickte sie zögernd.

Er lachte leise. „Das dachte ich mir. Willst du, dass ich es dir zeige?“

Sie stand regungslos.

Sein Atem kitzelte an ihrem rechten Ohr. Dann ging er plötzlich rasch zur Tür hinüber und schloss ab. „Wir wollen doch nicht wieder gestört werden, nicht wahr, Mary?“

Sie drehte sich nicht zu ihm um, schüttelte aber folgsam den Kopf. Nein, das wollte sie beileibe nicht!

Sie hörte seine Schritte auf dem blanken Holzparkett, als er zu ihr zurückkehrte und dann erschrak sie doch, als sie spürte, wie er von hinten den Rock ihres Kleides anhob. Seine kräftige Hand glitt an ihrem Bein hinauf und dann langsam an der Innenseite ihrer Schenkel entlang. Es fühlte sich seltsam an, erregend. Plötzlich wurde sie sich überaus deutlich des geheimen Ortes bewusst, der da in der Mitte ihres Schoßes unter weichgelocktem Flaum lag – darauf wartend, erforscht zu werden. Mr Ashworth schien dieser Ort ebenso gegenwärtig zu sein. Immer näher kam seine Hand der Stelle und dann berührte er sie leicht von vorne. Ein Seufzen entfuhr ihr, sie konnte es nicht verhindern. Wieder hörte sie sein leises Lachen. Dann spürte sie, wie seine andere Hand in den Ausschnitt ihres Kleides griff und nach ihren Brüsten tastete. Eine noch größere Erregung ergriff sie. Ihr Atem ging schwerer und sie drückte sich ein wenig an ihn. Er begann, sanft mit den Spitzen ihrer Brüste zu spielen und gerade, als sie den Rücken noch etwas durchdrückte, um ihm einen besseren Zugang dazu zu gewähren, glitten seine Finger in die Spalte zwischen ihren Beinen. Sie begann zu stöhnen. Das fühlte sich wunderbar an. Zwar hatte sie schon manches Mal die Stelle selbst erforscht, aber jetzt, da er es tat, war die Empfindung um ein Vielfaches stärker. Wenn es das war, was die Erwachsenen miteinander taten, dann konnte sie gut verstehen, warum sie so wild darauf waren. Mr Ashworth ließ nun langsam seine Finger an dem Ort kreisen und versetzte sie damit in immer größere Erregung. Sie spürte, wie ihre Beine anfingen zu zittern. Sie wollte mehr davon, mehr! Er sollte nicht aufhören, nicht jetzt! Nun begann auch er zu stöhnen, die Erregung schien auch ihn zu erfassen. Seltsam!

Plötzlich ließ er sie los, aber nur, um sie erneut zu packen und in Richtung des großen Schreibtisches zu drängen. Sie gehorchte ihm willig. Sie wollte nur, dass er sie wieder an diesem wunderbaren Ort streichelte. Bereitwillig legte sie sich auf die Schreibtischplatte, die er mit einer raschen Bewegung seines Armes freigeräumt hatte, und spreizte die Beine. Akten, Schreibutensilien und ein Tintenfass landeten auf dem Boden. Mr Ashworth schien das nicht zu stören.

Auch er atmete nun sehr schwer. Sie begann, bettelnde Laute von sich zu geben und wand sich ein wenig hin und her. Was tat er denn? Warum berührte er sie nicht wieder an dieser besonderen Stelle? Doch dann sah sie, warum er keine Zeit dazu fand. Er hatte seine Pants geöffnet und hastig heruntergezerrt. Unter seinem weißen Hemd aus feinster Baumwolle, das nun über seine nackten Beine herunterhing und die Schenkel bedeckte, ragte etwas hervor. Das versetzte ihr fast einen Schock, doch sie konnte jetzt nicht aufhören. Er wohl ebenfalls nicht. Er schien wirklich sehr erregt zu sein. Sie beobachtete, wie er sich hastig Weste und Hemd aufknöpfte, ja ungeduldig daran riss. Ein Knopf platzte ab und sprang zur Seite. Seine Brust wurde sichtbar. Ein wenig dunkles Haar kräuselte sich darauf, etwas mehr als bei ihrem Vater. Sonst war seine Haut glatt, überhaupt nicht so schrundig wie bei den Leuten, die sie kannte. Und dann entdeckte sie plötzlich dieses aufragende Ding zwischen seinen Beinen und erschrak. Es war so groß! Sie hatte nicht gedacht, dass dieses weiche, baumelnde Etwas der Männer so beängstigend groß werden könnte. Sie begann, sich zu fürchten. Doch er ließ ihr keine Zeit. Wild drängte er sich zwischen ihre Beine und ehe sie es sich versah, hatte er dieses riesenhafte Ding in sie hineingesteckt. Sie schrie auf. Dann durchfuhr sie plötzlich ein scharfer Schmerz. Doch diese Empfindung war gleich wieder vorbei, überlagert von etwas Anderem, Wildem, das sie nun ergriff und wie in einer Woge mit sich riss. Auch Mr Ashworth begann zu schreien, kurz und abgehackt, erst leise und dann immer lauter. Er schloss die Augen, sein Mund verzerrte sich. Immer heftiger stieß er in sie, sein Gesicht und Hals röteten sich vor Anstrengung. Er packte sie hart bei den Hüften. Sie hatte Mühe, bei all den groben Stößen noch genügend Luft zu bekommen. Und dann, plötzlich, drängte er sich eng an sie, wurde ganz steif und hielt inne. Der Schrei, den er dabei ausstieß, klang seltsam gepresst. Danach brach er keuchend auf ihr zusammen. Auch sie rang hilflos nach Luft.

Sie schloss die Augen und dachte nach. Das also war es, was Männer und Frauen miteinander taten. Es gefiel ihr – ja, es gefiel ihr sehr. „Aaron Stanton ist ein Idiot!“, sagte sie.

„Was?“ Mr Ashworth stemmte sich etwas hoch über ihr und sah sie fragend an. „Was meinst du damit?“

„Er hat heute Morgen gesagt, ich soll mich vor Ihnen in Acht nehmen. Er ist dumm!“

„Er hat dich vor mir gewarnt?“, fragte Mr Ashworth und legte die Stirn in Falten. Seine Stimme klang jetzt ärgerlich: „Was bildet der Kerl sich ein? Das hätte er besser bleiben lassen!“

„Das finde ich auch. Er hat nicht über mich zu bestimmen, auch wenn die Stantons uns aufgenommen haben.“

„Er wird auch nicht über dich bestimmen. Dafür sorge ich schon.“

Sie richtete sich etwas auf und stützte sich dabei auf ihre Ellbogen. „Aber er denkt, er kann es, genauso wie Cathy.“

Mr Ashworth ließ seinen Blick langsam und nachdenklich über ihren Körper wandern und dann auf ihrer entblößten Scham verweilen. „Ich denke, darüber brauchst du dir keine Sorgen zu machen, meine Kleine. Ich habe die Möglichkeiten, ihn daran zu hindern.“

Sie sah ihn hoffnungsvoll an. „Wirklich, Mr Ashworth?“

„Wirklich!“

„Dann kann ich Sie noch einmal besuchen?“

Er hob eine Augenbraue. „Oh, sicher, ich hoffe doch, dass du mich schon morgen wieder besuchst. Hat es dir denn gefallen?“

Sie lächelte kokett. „Sicher hat es das, besonders, als Sie mich da gestreichelt haben.“

„Tatsächlich?“ Er leckte sich kurz über die Lippen. „Als ich dich wo gestreichelt habe?“

„Dort!“ Sie zeigte es ihm.

„Willst du, dass ich es noch einmal tue?“

Statt einer Antwort legte sie sich wieder auf den Rücken und spreizte erneut die Beine.

Sie hörte, wie er aufkeuchte. „Himmel, wer hätte das hinter der kleinen Göre vermutet?“, murmelte er und dann suchten sich seine Finger rasch den Weg zu ihrem geheimen Ort und begannen den Tanz von vorn.

© Abdruck mit der freundlichen Genehmigung des Bookspot-Verlags. Alle Rechte beim Bookspot-Verlag, München.

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Interview mit der Autorin Nicole Steyer

Lea Korte: Inzwischen schreibst du an deinem dritten historischen Roman – und alle zeichnen sich durch einen lokalen Bezug aus. Warum?

Nicole Steyer:Ich fand regionale Geschichte schon immer sehr spannend. Gerade Deutschland hat so viel Kultur und wunderschöne Orte, die ihre Vergangenheit durch ihr Stadtbild oder Auftreten zeigen. Als Beispiel ist da nur Idstein zu nennen, wo ja mein erster Roman angesiedelt ist. Herausgeputzte Fachwerkhäuser, ein hoher Bergfried, der den Namen Hexenturm trägt, dahinter ein Schloss. Kleine verwinkelte Gassen, in denen die Zeit, wie es scheint, stehen geblieben ist. Jahreszahlen an schiefen Balken, manchmal auch Namen, die von einer anderen Zeit erzählen. Ich bin einfach nur neugierig und stoße immer wieder auf Geschichten, auf Schicksale, die hinter den Jahreszahlen liegen, die es zu erzählen lohnt. Und ich mag das Regionale, denn hier kenne ich mich aus, hier bin ich Zuhause. Obwohl ich in Idstein nur eine "Zugereiste" bin. Heimat wird für mich immer Rosenheim sein, wo ja mein zweiter Roman spielt.   

 

Lea Korte: Ein historischer Roman geht stets einher mit umfangreichen Recherchen. Wie gehst du dabei vor? Und wie ordnest du diese Informationen, um dich am Ende nicht in einem „wilden Wust“ zu verlieren?

Nicole Steyer: Ich recherchiere ganz unterschiedlich. Oft im Internet, obwohl man den Informationen dort nicht immer trauen kann. Bücher aus Antiquariaten sind da schon hilfreicher. Ich gehe in Stadtarchive, in Museen, bin immer auch vor Ort, schaue mir die Umgebung an, mache Fotos, laufe manchmal auch Wege ab, um Entfernungen abschätzen zu können. Auch spreche ich mit Historikern, wenn ich nicht mehr weiterkomme. Wenn ich zu Schreiben beginne, ist immer eine Art recherchiertes Grundgerüst vorhanden, das ich während dem Schreiben erweitere, denn oftmals falle ich während dem Umsetzen den Textes über irgendetwas drüber, was genauer ausgearbeitet werden muss. Dann konzentriere ich mich nur auf den nächsten Schritt, der umgesetzt werden muss. So komme ich nur selten durcheinander.

 

Lea Korte: Dein neuster Roman erscheint im nächsten Frühjahr und heißt „Das Pestkind“. Ein kurzer Auszug zum Inhalt:

Rosenheim zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges: Die junge Marianne lebt und arbeitet in der Brauerei, die von der Witwe Hedwig Thaler geführt wird. Die alte Frau hat Marianne bei sich aufgenommen und aufgezogen – doch das Mädchen hat von ihr nur böse Worte und Ungerechtigkeiten empfangen. Einzig der Abt des nahen Klosters begegnet Marianne freundlich und nimmt sie vor den Anfeindungen der Leute in Schutz: Diese sehen in ihr so etwas wie eine Hexe, da sie einst die Pest überlebt hat. Doch dann liegt eines Tages Hedwig Thaler erschlagen auf dem Hof – und nur Marianne ahnt, wer der Mörder ist ...

Wie bist du da bei der Recherche vorgegangen? Gab es besondere Schwierigkeiten?

Nicole Steyer: "Das Pestkind" hat eine sehr lange Entstehungsgeschichte. Ich bin durch Zufall im Internet über einen Artikel gestolpert, in dem über die Pest im Dreißigjährigen Krieg berichtet wurde. Auch in der Nachbargemeinde von Rosenheim, in Stephanskirchen, hat die Pest stark gewütet. Im Wald bei Kieling gibt es dazu ein Pestkreuz, daneben steht eine Gedenktafel. Auf dieser Tafel steht geschrieben, dass 1632 alle Menschen des Ortes an der Pest gestorben sind, nur ein Mädchen hat überlebt. Mich hat das monatelang nicht losgelassen. Was für eine unglaubliche Vorstellung: Ein Mädchen hat überlebt! Ich habe mir immer Gedanken darüber gemacht, wie es dem Mädchen wohl ergangen ist, was es gefühlt, was es durchlitten hat. Sie hatte ja alles verloren.

Über ein Jahr habe ich diese Geschichte mit mir herumgetragen, wusste aber noch nicht, was ich aus ihr machen sollte. Dann habe ich durch Recherchen im Internet herausgefunden, dass Rosenheim sich im Dreißigjährige Krieg bei dem schwedischen Heerführer Carl Gustav Wrangel eine Schutzbrief erkauft hat. Der Abt des Kapuzinerklosters hat die Wertgegenstände damals an den schwedischen Heerführer übergeben. Damit war die Geschichte geboren. Das Mädchen wurde zur jungen Frau, die wie eine Geächtete behandelt wird, weil sie die Pest überlebt hat. Sie ist Mündel des Klosters geworden, und wird Rosenheim verlassen müssen, um in einem schwedischen Tross ein neues Leben zu beginnen.

Es gab sehr viele Schwierigkeiten zu Beginn der Recherche. Über den Dreißigjährigen Krieg an sich gibt es viel Lektüre. Allerdings war es schwer Kleinigkeiten aus dem Jahr 1648 herauszubekommen. Wo genau ist der Tross entlanggezogen, welche Städte oder Dörfer wurden wann überfallen, wie sieht so ein Tross überhaupt aus? Bücher aus Antiquariaten haben mir sehr viel geholfen. Am meisten ein Tagebuch. Das Tagebuch des Maurus Friesenegger, der der Abt des Klosters Andechs(Kloster am Heiligen Berg) gewesen ist, hat mir sehr viel weitergeholfen, denn er war genau zu dieser Zeit in der Region um Rosenheim und Salzburg unterwegs. Sein Tagebuch hat mich sehr berührt. Der Abt hat sogar eine Nebenrolle im Buch erhalten.    

Lea Korte: Kannst du noch mehr zum Entstehungsprozess dieses Romans erzählen? Wie gehst du vor? Plottest du oder schreibst du „einfach drauflos“?

Nicole Steyer: Wenn die Grundidee für eine Geschichte gefunden ist, dann schreibe ich ein erstes Exposé und auch Biografien der Hauptdarsteller. Dann beginne ich zu schreiben. Ab dann habe ich die Geschichte im Kopf. Ich weiß genau, wann was passieren muss. Allerdings machen meine Protagonisten gerne was sie wollen. Beim Pestkind war es Pater Franz, der sich in den Vordergrund geschoben hat, was er aber auch verdient hat, denn er ist ein mutiger Mensch in einer schweren Zeit gewesen.

Ich überarbeite abschnittsweise. Ist ein Teil geschrieben, meistens die ersten einhundert Seiten, wird er überarbeitet, was ich grundsätzlich auf Papier mache. Ungefähr bei der Hälfte des Romans mache ich das noch einmal. Ist alles stimmig, funktioniert die Geschichte? Manchmal streiche ich Sachen raus oder schreibe sie um. Oftmals kommen neue Absätze hinzu. Auch Textkorrektur mache ich dann bereits. Am Schluss wird noch einmal alles komplett ausgedruckt und gelesen, wieder korrigiert, umgeschrieben und verbessert. Danach geht der Text zu meinem Agenten nach Berlin, der immer liest, beurteilt und auch ein leichtes Lektorat macht. Dann geht es erst zum Verlag.

 

Lea Korte: Wie weit bist du mit dem Roman? Wie schaffst du es, dass der Roman auch pünktlich zur Abgabe fertig wird – denn nach dem Schreiben kommt ja noch das Lektorat. Vielleicht willst du auch hierzu etwas erzählen. Viele Autoren, die noch nichts in einem Publikumsverlag veröffentlicht haben, machen sich recht falsche Vorstellungen davon, was ein Lektorat beinhaltet – und was nicht.

Nicole Steyer: Ich gebe meine Romane in der Regel fertig ab. Auch mein dritter Roman liegt dem Verlag bereits fertig vor. Ich musste also noch nie pünktlich zur Abgabe fertig werden und hatte immer genügend Zeit zum Schreiben, was ich sehr genieße. Mit den Arbeiten am Pestkind habe ich bereits Ende 2010 begonnen, als "Die Hexe von Nassau" gerade von meiner Agentur angenommen worden ist. Als die Hexe im letzten November erschienen ist, war bereits fast der komplette dritte historische Roman fertig. Im Herbst 2011 habe ich damit begonnen. Ich nutze gerne die Vorlaufzeiten.

Der Begriff Lektorat wird oft falsch verstanden. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es meine Lektorin gibt, die alles hinterfragt, alles abklopft, mir viele tolle Tipps gibt, den Finger aber auch gerne in die Wunde legt. Ein Autor kann allein nicht alles sehen. Manchmal hat man irgendwo einen Denkfehler, eine Lieblingsformulierung, Längen, die einem selbst nicht auffallen. Der Lektor kürzt, fragt nach, eliminiert die Lieblingsformulierung, verfeinert den Text. Manchmal hänge ich stundenlang an einer Formulierung und sie ändert es mit einer Leichtigkeit so, wie ich es gerne gehabt hätte. Und ich denke dann immer: Warum bist du da nicht selbst drauf gekommen. Ich lerne sehr viel dazu.

Am besten sollte man länger mit demselben Lektor zusammenarbeiten, denn dann kennt dieser die Eigenheiten des Autors. Meine weiß ganz genau, worauf sie achten muss. Und wir lachen auch sehr viel miteinander, was ich sehr wichtig finde.

 

 

Lea Korte: Der historische Roman – heißt es – sei in der „Krise“. Wo siehst du die Ursachen, und wie schaffen es neue Autoren, hier noch Fuß zu fassen?

Nicole Steyer: "Krise" das Wort mag ich nicht. Aber natürlich, vor einigen Jahren, war der historische Roman sehr gut im Geschäft. Allerdings wurde der Markt dann sehr überschwemmt, was irgendwann dazu führen musste, dass der "Hype" wieder weniger wird. Wir erleben dasselbe Phänomen schon seit einer Weile bei den regionalen Krimis. Jedes Dorf in Deutschland hat bald seinen eigenen Kommissar, der hinter dem Misthaufen und in der Dorfkneipe ermittelt. Irgendwann wird auch dieser "Hype" wieder weniger werden, genauso wie der der Erotikliteratur, die ja im letzten Jahr durch Shades of Grey groß geworden ist. 

Aber das Stichwort "Regio" ist ein ganz gutes. Regional funktioniert. Das kann man auch beim historischen Roman sagen. Mein Erstling hat sich natürlich hier in der Region besonders gut verkauft. Die Leute erfahren auf unterhaltsame Weise etwas über ihre Heimat. Das kommt an, auch im historischen Roman.

 

Lea Korte: Nun muss natürlich auch die Frage kommen, die ich allen Autoren stelle – und die für Anfänger auf dem Buchmarkt eine der wichtigsten ist: Wie schnell ist es dir gelungen, deinen ersten Roman bei einem Verlag unterzubringen? Hast du von Anfang an gewusst, dass du es „schaffen“ wirst, oder gab es auch Momente, in denen du an dir gezweifelt hast?

Nicole Steyer: Ich habe die ersten Schritte in den Buchmarkt mit Kinderbüchern gewagt, die aber nicht sehr gut gelaufen sind, wenn ich es genau nehme, eigentlich gar nicht. Der Verlag war sehr klein und unbekannt. Es war schwierig, gesehen zu werden. Ich stand bei Hugendubel oder Thalia mit meinem Buch in der Hand und niemand wollte es haben. Dann ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, was ich doch für ein naiver Anfänger bin. Ich stand dort, zwischen all den vielen Büchern, die soviel besser waren als meines, die in den Regalen stehen durften, während mir meines mit einem Kopfschütteln zurückgegeben wurde. Das war eine schlimme Erfahrung, die aber viele Anfänger machen.

Als ich mit der Hexe 2008 zu schreiben begann, war ich ein schrecklich naiver Anfänger mit einem grauenvollen Stil. Ich hatte keine Ahnung von Normseiten, Agenturen, Lektoren und solchen Dingen. Ich hatte nur die Vorstellung, ich könnte es schaffen. Diese Vorstellung hat mich fünf Fassungen des Romans gekostet und unendlich viele Nerven. In dieser Zeit bin ich auch sehr krank geworden. Ich musste zweimal am Sprunggelenk operiert werden, hatte monatelang Schmerzen, konnte mich kaum bewegen. Das Schreiben war alles, was ich tun konnte, also habe ich geschrieben. Katharina wurde für mich zu einer Seelenverwandten. Sie war für mich real. Ich konnte mit ihr reden, leiden, lieben und lachen. Sie ist meine erste Hauptdarstellerin und wird immer etwas ganz besonderes bleiben. In dieser Zeit habe ich Tagebuch geführt. Manchmal blätterte ich es heute durch und lese, was damals passiert ist, wie oft ich aufgeben wollte, wie oft mir die Kraft fehlte, wie sehr ich auch wütend gewesen bin, auf mich selbst, auf die Welt dort draußen. Es hat viele Tage gegeben, an denen ich alles aufgeben wollte. Aber ich konnte es nicht.

Durch viel Recherche im Internet habe ich dann meine Agentur gefunden. Als mein Agent angerufen hat, um mir zu sagen, dass die Geschichte gut ist, konnte ich das kaum glauben. Als ich aufgelegt habe, fing ich zu weinen an.

 

Lea Korte: Du bist bei Facebook und auch sonst im Internet als Autorin sehr präsent. Außerdem machst du viele Lesungen. Wie läuft eine Lesung bei dir ab? Wie bereitest du dich darauf vor?

Nicole Steyer: Das mit den Lesungen hat sich so ergeben, und es macht mir sehr viel Spaß. Ich bereite mich für jede Lesung sehr gut vor. Die Lesung selbst ist genau eingeübt. Die Passagen, die ich vortrage, habe ich vorher ausgewählt, sie laut mehrmals mir vorgelesen und auch meinem Mann. Ich stoppe die Zeit, damit es nicht zu viel wird. Zwischen den Textabschnitten erzähle ich immer historische Details, die nicht im Buch stehen. Bei der Hexe natürlich viele Dinge zum Thema Hexenverfolgung. Ich erzähle aber auch immer regionales aus der Stadt, in der ich gerade vorlese. Bin ich also in Eltville, recherchiere ich vorher, ob es dort Hexenverfolgungen gegeben hat und berichte darüber. Die Besucher der Lesung mögen das besonders gerne. Es gibt ihnen das Gefühl, dass sich jemand nur für sie Mühe gemacht hat. Und da ich sowieso immer sehr neugierig bin, bereite ich mich auf jede Lesung sehr gerne vor, weil ich dann wieder neue geschichtliche Dinge und vielleicht auch Schicksale kennenlerne. Natürlich werden am Ende jeder Lesung Fragen gestellt, die ich gerne beantworte.

 

Lea Korte: Auch das Thema Agentur ist ein wichtiges Thema, weswegen ich auch diese Frage allen Autoren stelle: Was würdest du „Anfängern“ raten? Den direkten Weg zum Verlag – oder doch lieber „erst“ zur Agentur? Oder einfach mal „selber machen“? Gibt es auch etwas, das man „falsch“ machen kann?

Nicole Steyer: Immer den direkten Weg zur Agentur. Mir hat das sehr geholfen. Ein Agent weiß, wo er ein Manuskript anbieten kann und wo nicht. Er hat gute Kontakte und kümmert sich um die vertragsrechtlichen Dinge. Nicht jeder Autor ist gleichzeitig ein guter Geschäftsmann.

Natürlich kann man eine Menge falsch machen. Was man als "Anfänger" auf keinen Fall tun sollte, ist Geld an einen Verlag bezahlen. Auch wenn diese Art von Verlagen es gerne hinter anderen Begriffen verstecken. Dieses Geld ist in der Regel ein Druckkostenzuschuss. Bücher aus solchen Verlagen verkaufen sich nicht, werden nicht gesehen. Also Finger weg!

Sollte es mit der Agentur oder dem großen Publikumsverlag nicht klappen, dann gibt es immer noch den Weg über Self Publishing. Der immer weiter wachsende E-Book Markt eröffnet uns allen viele neue Möglichkeiten. Aber auch hier genau prüfen, bei welchem Anbieter man anbietet. Und natürlich zählt auch hier: Qualität ist wichtig. Ein Buch voller Fehler kommt auch als E-Book nicht gut an.

 

Lea Korte: Hast du noch einen besonderen Tipp, den du „Jungautoren“ mit auf den Weg geben kannst?

Nicole Steyer: Nie den Mut verlieren, und nicht aufgeben. Schließt sich eine Tür, öffnet sich meist eine andere.

 

Ich danke dir für dieses Interview!

Mehr über Nicole Steyer findet ihr hier:

http://www.literatur-steyer.de/das-pestkind.html

 

 

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Zum Thema Agenturen:

Einen guten ersten Überblick über Agenturen kann man sich auf der Webseite meiner Autorenkollegin Petra Schier verschaffen.

Und wenn es ausführlich sein soll, empfehle ich das Autorenhandbuch von Sandra Uschtrin.

Ein gutes Buch zum Buchmarketing versteckt sich hinter diesem Link. Zu dem Thema solltet ihr auch das Interview mit Leander Wattig beachten, das im April 2013 auf dieser Webseite erscheint. Wer es nicht verpassen will, abonniert am besten ... den Newsletter! ;-)