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Sylvia Lott

Mein heutiger Interviewgast ist die Journalistin, Roman- und Sachbuchautorin Sylvia Lott:

Sylvia Lott, freie Journalistin und Autorin, lebt in Hamburg, wo sie für verschiedene Frauen-, Reise- und Lifestyle-Zeitschriften arbeitet. Außerdem hat sie etwa ein Dutzend Bücher verfaßt, zum Teil unter Pseudonymen. Zuletzt erschien von ihr der Roman "Die Rose von Darjeeling" (blanvalet, 2013).

Lea Korte: Liebe Sylvia, als Schreibprofi weißt du am besten, wie schwierig es manchmal ist, „am Ball“ zu bleiben. Wie gelingt dir das?

Sylvia Lott: Ein Blick auf den Kontoauszug reicht. Außerdem: Ab einem bestimmten Stadium fühle ich mich wie ein Muli in der Wüste, das ein Wasserloch wittert. Dann will und kann ich nicht aufhören zu schreiben. Das ist eine Phase, die ich einerseits liebe... weil ich das Gefühl habe, es muss so sein. Und andererseits finde ich sie auch, sagen wir mal, merkwürdig, weil man zwangläufig ziemlich a-sozial wird. Vielleicht genieße ich deshalb anschließend die Lesungen so.

Lea Korte: Das hört sich an, als ob du sehr gern Lesungen hältst …

Sylvia Lott: Es hat mich selbst überrascht, wie viel Freude mir die Lesungen bereiten. Da kommt etwas zurück vom Publikum. Die Emotionen, die ich beim Schreiben durchlebt habe, auch meine Bemühungen um Humor und Offenheit, stoßen auf Resonanz. Das ist toll! Das ist eine Art Belohnung, die menschliche Wärme, die ich da erlebe,  gibt mir neue Energie. Außerdem lerne ich an den Reaktionen – ob die Zuhörer unruhig werden oder plötzlich ganz still –, sehr viel, was mir hilft, besser zu schreiben. 

Lea Korte: Wie bereitest du dich auf eine Lesung vor?

Sylvia Lott: Indem ich den Text zuhause mehrfach laut lesen, bis ich mich sicher fühle. Ich mach mir mit Bleistift kleine Betonungszeichen in den Fließtext, streiche Sätze, die bei der Lesung ruhig fehlen dürfen und male mir ab und zu einen lächelnden Mond auf eine Seite – um mich selbst daran zu erinnern, dass ich das Publikum anlächeln möchte. Ich sehe die Leute gerne an, aber da ich eine Lesebrille trage, muss ich sie zwischendurch immer abnehmen, was mich echt nervt.

Grundsätzlich habe ich gelernt: Nicht phonetisch korrektes Vortragen in bestem Hochdeutsch ist das Ziel, es kommt viel mehr darauf an, die Emotion der jeweiligen Textpassage rüberzubringen.

Noch ein Tipp, den ich von Kerstin Gier hab: Eine lange Tischdecke über dem Lesungstisch ist wegen der Beinarbeit sehr zu empfehlen. Dann muss man sich während der Lesung nicht auch noch darauf konzentrieren, anmutig zu sitzen.

Lea Korte: Nun muss natürlich auch die Frage kommen, die ich allen Autoren stelle – und die für Anfänger auf dem Buchmarkt eine der wichtigsten ist: Wie schnell ist es dir gelungen, deinen ersten Roman bei einem Verlag unterzubringen? Hast du von Anfang an gewusst, dass du es „schaffen“ wirst, oder gab es auch Momente, in denen du an dir gezweifelt hast?

Sylvia Lott: Schon als Kind wußte ich, dass ich später einmal Bücher schreiben würde. Das fand ich ganz normal. Mit den Sachbüchern ging es auch einigermaßen leicht. Da gab es klare Vereinbarungen mit den Auftraggebern und sie wurden geschrieben. Aber mit dem ersten Roman fängt man ja meist einfach so an, aus innerem Antrieb und Bedürfnis. Und nun einen Verlag davon zu überzeugen, dass dieses Manuskript unbedingt veröffentlicht werden muss, das war schon ein hartes Stück Arbeit. Es hat über zehn Jahre gedauert. Ich hab das Manuskript immer wieder umgeschrieben, zwischendurch einen anderen Roman verfaßt, der dann sogar vor dem ersten herauskam, ich bin Kompromisse eingegangen, die dem Buch nicht gut getan haben. Und mir auch nicht. Als es endlich (mit einem scheußlichen Cover) erschien und es nicht einmal in die Buchhandlungen schaffte, war ich erstmal bedient. Sämtliche Buchpläne ruhten zwei Jahre lang. Und dann fing es wieder an, zu kribbeln und ich dachte: So, nun versuchst du es noch mal richtig professionell.

Lea Korte: Gibst du deine Texte Vorab-Lesern?

Sylvia Lott: Nein, ich gebe nicht mehr allen Freundinnen und Verwandten mein Manuskript zum Lesen. Ich bin überzeugt, Ideen und Halbausgegorenes verlieren etwas von ihrer Kraft, wenn man zu viel darüber redet. Ich habe zwei bis drei bewährte Erstleser, deren Urteil ich schätze.

Lea Korte: Was ist dein Rat: Erst einmal auf eigene Faust einen Verlag suchen oder gleich zu einer Agentur gehen?

Sylvia Lott: Auf jeden Fall: so zeitig wie möglich eine Agentur suchen. Bei der Stange bleiben. Die richtige Balance finden zwischen Durchhalten und An-sich-selbst-Glauben auf der einen Seite und Kritik von Profis annehmen auf der anderen. Auf die Meinung lieber Freunde nicht viel geben – abgesehen vielleicht von ein bis zwei Ausnahmen.

Lea Korte: Hast du Tipps für das Kritikannehmen?

Sylvia Lott: Leider kenne ich keinen schmerzfreien Weg... Gerade wenn man wie ich vom Journalismus zum Romanschreiben kommt, muss man einige andere Regeln lernen und akzeptieren. Das fällt manchmal verdammt schwer. Aber es lohnt sich. Überhaupt finde ich einen Satz sehr hilfreich, der da lautet: „Ich will doch dazu lernen“.

Lea Korte: Wie wichtig ist Recherche?

Sylvia Lott: Recherche? Mein Schwachpunkt. Ich könnte monatelang recherchieren! Und wenn ich dann herrlich skurrile Dinge ausfindig gemacht habe, will ich sie natürlich auch loswerden. Das liegt wahrscheinlich an meiner journalistischen Vergangenheit. Oder daran, dass ich drei historische Fächer studiert hab: Literaturgeschichte, Kunstgeschichte und Kommunikationsgeschichte. Aber ich arbeite daran, die Leser nicht mit Infos zu überkübeln, stattdessen das Reizvollste geschickt in die Handlung einzubauen und gut ist.

Lea KorteWas bedeutet das für „Die Rose von Darjeeling“? Um was geht es darin?

Sylvia Lott: Die Leser meines aktuellen Romans erfahren viel Kulturgeschichtliches über Darjeeling und Sikkim vor dem Zweiten Weltkrieg, über Rhododendron-„Jäger“ und -Züchter, über das scheue Bergvolk der Lepcha (wo die Frauen übrigens Vielmännerei betrieben!) und über englische Teegärten in den Vorgebirgen des Himalaya. Doch vor allem hoffe ich, dass die Liebesgeschichte, die darin erzählt wird, mitten ins Herz trifft!

Die Familiensaga beginnt anno 1930 und reicht über drei Generationen bis ins Jahr 2010 zur „Rhodo“-Schau im oldenburgischen Ammerland.

Im Ammerland bin ich aufgewachsen, es ist das Zentrum der deutschen Rhododendronzucht, im Mai gleicht diese Gegend einem einzigen Blütenmeer. Dort habe ich auch vor meinem Studium als Lokalredakteurin gearbeitet. Und in Darjeeling war ich später als freie Reisejournalistin für eine Reportage über Teegärten.

Lea Korte: Kannst du ein Buch über das Schreiben empfehlen?

Sylvia Lott: Von Robert McKee: Story. Der Untertitel heißt zwar „Die Prinzipien des Drehbuchschreibens“, aber ich finde es ist ein sehr kluges Buch für jede Art von Geschichtenschreiben.

Lea Korte: Wann erscheint dein nächster Roman?

Sylvia Lott: Im Juli 2014, wieder als Taschenbuch bei blanvalet. Er ist diese Woche auch im Lektorat fertig geworden. Halleluja! So lange die offizielle Vorschau nicht veröffentlicht ist, möchte ich darüber noch nichts verraten. Aber ich freue mich schon riesig, und Ort und Zeit für die Premierenlesung stehen auch schon fest: 24. Juli 2014 im „Fehntjer Forum“ in Rhauderfehn (Ostfriesland) auf Einladung der „Fehnbuch“handlung. Das hat natürlich einen tieferen Sinn, denn die Handlung beginnt in einem Fehndorf... aber mehr will ich jetzt wirklich nicht ausplaudern ;-)

Lea Korte: Hast du noch einen besonderen Tipp, den du „Jungautoren“ mit auf den Weg geben kannst?

Sylvia Lott: Nicht aufgeben. Viel lesen. Nicht einfach drauflos schreiben, sondern ein Gerüst bauen. Das Handwerkliche erlernen. Eine Agentur suchen. Und nochmal: Nicht aufgeben!

Ich danke dir für dieses Interview!

Sylvia Lott, *13. 12. 55, volontierte bei der Nordwest-Zeitung in Oldenburg, arbeitete als Lokalredakteurin, bevor sie in Münster Publizistik, Germanistik und Kunstgeschichte studierte und "summa cum laude" mit einer Dissertation über Frauenzeitschriften im Dritten Reich und der Nachkriegszeit abschloß. Als Trainee der Verlagsleitung Brigitte bei Gruner+Jahr verfaßte sie die "Chronik einer Frauenzeitschrift: Brigitte – Die ersten hundert Jahre" (Mosaik Verlag). Sie war unter anderem Ressortleiterin für Lifestyle der Petra, Textchefin der Maxi und arbeitet nun seit vielen Jahren in Hamburg als freie Journalistin für verschiedene Frauen-, Reise- und Lifestyle-Magazine. Von ihr erschienen diverse Bücher, zuletzt bei blanvalet der Roman "Die Rose von Darjeeling" (April 2013). Der nächste Roman soll ebenfalls bei blanvalet im Juil 2014 erscheinen.

Weitere Informationen über Sylvia Lott findet Ihr hier:

www.sylvia-lott.de
www.sylvia-lott.de/blog

www.die-rose-von-darjeeling.de


Natürlich freut sich Sylvia Lott auch über einen Besuch bei ihrer Facebookseite:
www.facebook.com/Sylvialott.romane