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Petra Schier

Werkstattgespräch mit Petra Schier über ihren neuen Roman „Der Hexenschöffe“, Romanplanung, Self-Publishing und Marketing für Autoren

Lea KortePetra Schier – du bist eine ausgesprochen vielseitige Autorin: Du hast eine große Anzahl historischer Romane bei rororo (und Weltbild) veröffentlicht, wobei einer der letzten im 19. Jahrhundert spielt, du schreibst Weihnachtsromane für den Aufbau Verlag, Kindergeschichten - und bist seit Neustem auch als Mila Roth im Krimibereich unterwegs. Wie schnell ist es dir gelungen, deinen ersten Roman bei einem Verlag unterzubringen?

Petra Schier: Liebe Lea, das hat lange gedauert und ging dann doch recht schnell. Ein Widerspruch? Nein, aber eine interessante Geschichte: Ich hatte bereits fast acht Jahre lang an Romanen und Kurzgeschichten geschrieben, erst neben dem Abitur, dann neben dem Studium, also seit 1996/97. Zu jener Zeit habe ich auch schon meine Internetseite www.petralit.de (die man heute zusätzlich unter www.petra-schier.de erreichen kann) ins Leben gerufen. Ich bot damals Leseproben aus meinen Werken an und auch schon erste Tipps für Autoren.

Über diese Homepage fand mich 2004 dann ein Kleinverleger aus der Eifel, dem meine Schreibe so gut gefiel, dass er mich fragte, ob ich Interesse habe, für ihn an Kinderbüchern für große Verlage mitzuarbeiten. Damals erstellte sein Verlag Manuskripte für Moewig, Urania und verschiedene andere bekannte Verlagshäuser.

Natürlich hatte ich Interesse, und daraus erwuchsen dann nicht nur erste Kinderbuchveröffentlichungen, sondern auch eine zusätzliche Arbeit als freie Lektorin und "Mädchen für alles". Fast zeitgleich, also nur im Abstand von wenigen Monaten zum ersten Kontakt mit dem Verlag Eifelkrone (der heute leider nicht mehr existiert), rief mich ein bekannter Literaturagent an, der über einen anderen Autor ebenfalls auf meine Homepage und meine Leseproben aufmerksam geworden war. Er suchte nach einer Autorin für ein Sachbuchprojekt mit dem Eichborn Verlag. Auch hier war ich selbstverständlich interessiert. Allerdings wurde aus dem Buch nichts, denn der Verlag wusste wohl selbst nicht so genau, was er wollte. Aber der Kontakt zum Agenten war da, inzwischen hatte er auch schon mehr Lesestoff bei mir angefordert und nahm mich praktisch sofort unter Vertrag.

Wenige Monate später durfte ich den Vertrag für "Tod im Beginenhaus", meinen ersten historischen Roman bei Rowohlt, unterzeichnen, der dann im Herbst 2005 erschienen ist.

Lea Korte: Hast du von Anfang an gewusst, dass du es „schaffen“ wirst, oder gab es auch Momente, in denen du an dir gezweifelt hast?

Petra Schier: Hauptberuflich Schriftstellerin zu sein war schon immer mein Traum, im Grunde, seit ich mit 11 mein erstes Tagebuch geschenkt bekam. Seither habe ich praktisch ständig geschrieben. Selbstverständlich zweifelt man hin und wieder an sich, doch ich habe diese Zweifel nie die Oberhand gewinnen lassen. Geholfen hat mir dabei, dass meine Eltern, vor allem meine Mutter, immer an mich geglaubt und mich motiviert haben. Auch mein damaliger Freund Paul, mit dem sich seit 2003 verheiratet bin, stand immer hinter mir, und das, obgleich er aus einem vollkommen anderen Metier kommt (heute ist er Industriemeister im Metallbau) und vermutlich lange Zeit gar nicht recht wusste, was ich da tat.

Ich wusste immer, was ich wollte und habe meine Ziele visualisiert und an ihrer Verwirklichung aktiv gearbeitet. Deshalb hatte ich auch schon so früh eine eigene Homepage. Mir war klar, dass ich meinen Namen irgendwie in der Welt bekannt machen musste, damit man mich wahrnimmt. Damals gab es ja noch keine sozialen Netzwerke; eine Homepage war DIE Anlaufstelle für interessierte Leser und potenzielle Verbündete.

Auch in den wenigen Autorenforen, die es Anfang des neuen Jahrtausends erst gab, habe ich mich aktiv getummelt, um Gleichgesinnte zu finden und so viel wie möglich über das Schreiben und den Literaturmarkt zu lernen.

Nachdem ich dann mit dem ersten Buchvertrag einen Fuß in der Tür hatte, habe ich mich noch mehr angestrengt, damit die Tür möglichst nie wieder zufällt. Daran arbeite ich heute noch, nur mit dem Unterschied, dass ich mittlerweile noch einige weitere Türen weit aufgestoßen habe.

Lea Korte: Am 1. Oktober ist dein neuer Roman "Der Hexenschöffe“ erschienen. Worum geht es in diesem Buch?

Petra Schier: Es handelt sich um eine wahre Geschichte. Der Roman handelt von Hermann Löher, der in den 1630er Jahren Schöffe in der kleinen Stadt Rheinbach wurde, genau zu jener Zeit, als dort zwei der heftigsten Prozesswellen gegen Hexen stattfanden. Er musste viele Verurteilungen mittragen, obgleich er nicht an die Schuld der Angeklagten glaubte. Doch sich gegen die Hexenkommissare zu wenden, war damals lebensgefährlich. Löher hatte eine Frau und acht Kinder, die er liebte und zu schützen hatte. Im Alter von über 80 Jahren verfasste er ein mehr als 600 Seiten starkes Buch mit dem Titel "Hochnötige Unterthanige Wemütige Klage Der Frommen Unschültigen", in dem er die Falschheit und Gräuel der Hexenprozesse anprangerte. Diese Klageschrift diente mir als Grundlage meines Romans.

Löhers Geschichte begleitet mich bereits seit meinem 13. oder 14. Lebensjahr, denn damals kam ich zum ersten Mal durch eine Erzählung aus dem 19.Jahrhundert damit in Berührung. Es war mir eine Herzensangelegenheit, diesem Mann und seinem Bemühen, die Menschen über die wahren Hintergründe und die menschenverachtende Grausamkeit der Hexenprozesse aufzuklären, eine Stimme zu verleihen. Hermann Löher wollte mit seiner Klageschrift, die sich an alle nur erdenklichen Würden- und Amtsträger seiner Zeit richtete, dafür sorgen, dass ein solch ungeheuerliches Unrecht niemals wieder geschieht. Wenn man sich allerdings unsere heutigen Tagesnachrichten ansieht, muss man erkennen, dass sein Ansinnen auch in unserer aufgeklärten Zeit nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Lea Korte: Die Autoren, die unser Gespräch lesen, interessiert natürlich auch, wie du bei der Planung eines Romans vorgehst. Wie entwickelst du deine Ideen? Schreibst du sofort los oder planst du alles erst genau?

Petra Schier: Ein bisschen von beidem. Ich muss den Plot natürlich insofern ausarbeiten, dass sich daraus ein Exposé für den Verlag erstellen lässt. Den roten Faden der Geschichte samt Schluss muss ich also kennen, lange bevor ich mit dem Schreiben anfange. Denn aufgrund eines solchen Exposés erhalte ich dann den Verlagsvertrag.

Für meine Hauptfiguren und die wichtigen Nebenfiguren verfasse ich darüber hinaus auch Steckbriefe und (stichwortartige) Biografien, in die ich, auch noch während des Schreibens, alle äußeren wie inneren Eigenschaften hineinschreibe. Das ist besonders wichtig, wenn man später noch Fortsetzungen schreibt, was bei mir ja keine Seltenheit ist. Es hilft aber auch bei Einzeltiteln, die Figuren nicht nur kennenzulernen, sondern im Eifer des Gefechts nicht doch einmal etwas zu verwechseln oder zu vergessen.

Sobald der Punkt gekommen ist, an dem mit dem Schreiben anfange, hangele ich mich an meinem Grundgerüst entlang, fülle es hier und da, mache mir auch gerne Stichwortlisten, damit ich auch ja keine Idee und keinen Aspekt vergesse.

Ich lasse der Geschichte und besonders den Figuren aber auch viel Raum, sich selbst zu entwickeln. Bei den Figuren warte ich sogar darauf, dass sie sich verselbstständigen. Normalerweise geschieht das innerhalb der ersten 50 Seiten. Wenn es soweit ist und ich im Grunde nur noch "mitschreibe", was ich vor meinem inneren Auge sehe, weiß ich, dass meine Charaktere lebendig geworden sind und das auch für den Leser sein werden. Ich bin also 50 Prozent Planschreiberin und 50 Prozent Bauchschreiberin.

Interessanterweise komme ich am Ende immer da heraus, wo ich laut Exposé von Anfang an hinwollte. Nicht selten jedoch anders als gedacht oder auf Umwegen. Das ist jedoch ganz normal. Ein Exposé ist nicht in Blei gegossen, und das würde auch kein Verlag verlangen. Solange man in etwa die Geschichte schreibt, die vorgesehen war, ist das in Ordnung. Lektoren wissen um die Veränderungen, die eine Geschichte während des Schreibprozesses durchmachen kann. Man sollte nur darauf achten, dass man nicht aus einer Liebesgeschichte einen blutigen Thriller macht oder aus einem historische Roman eine Zeitreisegeschichte in die Zukunft. Denn das würde dann doch zu weit gehen und den Verlag in Bedrängnis bringen. Aufgrund des Exposés, das nicht selten ein oder mehrere Jahre vor Beginn des Schreibens eingereicht wird, erstellt der Verlag meist den Vorschautext und vergibt einen entsprechenden Programmplatz. Man sollte also schon versuchen, sich zumindest an den roten Faden im Exposé zu halten.

Übrigens erstelle ich mir auch immer ein Exposé für die Bücher, die ich (als Mila Roth) verlagsunabhängig publiziere. Es ist einfach ein gutes Instrument, um den Plot von Beginn an in den Griff zu bekommen.

Lea Korte: Als Mila Roth hast du jetzt sieben Kurzkrimis veröffentlicht. Wie kam es, dass du zu einem ganz anderen Genre gewechselt bist?

Petra Schier: Ich wollte mich noch nie auf nur ein Genre festlegen. Schon seit 2007, also gerade mal zwei Jahre nach meinem Debüt im historischen Roman, habe ich begonnen, für den Aufbau Verlag auch noch romantische Weihnachtsgeschichten (mit Hund) zu schreiben. Also etwas ganz anderes. Auf die Idee mit den Krimis, genauer gesagt der ersten Vorabendkrimiserie in Buchform, kam ich, weil mich eine alte TV-Serie aus den 80ern dazu inspiriert hat.

Ich liebe es, mich immer wieder als Autorin neu zu erfinden, viele Bereiche auszuprobieren und mir auch ein Stück weit selbst zu beweisen, dass ich in unterschiedlichen Genres schreiben kann. Nur historische Romane zu schreiben, wäre mir nicht nur zu einseitig, sondern auch auf Dauer zu anstrengend, schon wegen der schwierigeren Sprache und der immensen Recherche. Vielleicht hätte ich auch irgendwann mal keine Lust mehr, immer wieder literarisch in die Vergangenheit zu reisen. Dadurch, dass ich inzwischen so viele verschiedene Genres bediene, wird es nie langweilig und ich bleibe im Kopf und vor allem schreiberisch sehr flexibel.

Lea Korte: Überdies erscheinen deine Mila-Roth-Krimis im Selbstverlag. Wieso bist du von den großen Verlagen weg und hin zum Self-Publishing? Welche Vor- oder auch Nachteile bringt das mit sich?

Petra Schier: Beginnen wir mit den Nachteilen, die aber nur bedingt welche sind: Ohne Verlag steht man allein auf weiter Flur. Man hat niemanden, der die Qualitätskontrolle übernimmt oder den Produktionsprozess, das Marketing oder den Vertrieb. Das alles muss man neben dem Schreiben ganz alleine stemmen, wenn man sich in das Abenteuer Self-Publishing stürzt. Ich habe damit erst begonnen, nachdem ich mir als Autorin einen Namen gemacht hatte. Damit stand aber auch fest, dass ich einen (guten) Ruf zu verlieren hatte. Also lag und liegt mein Hauptaugenmerk bei jedem verlagsunabhängigen Buch, es qualitätsmäßig auf eine Ebene mit meinen Verlagspublikationen zu heben.

Ich muss mich bzw. meine Bücher also nicht nur selbst vermarkten, sondern, und das kommt noch ein gutes Stück vorher, ich muss dafür sorgen, dass die Qualität stimmt. Das fängt bei einem professionellen Cover an, geht über ein ebensolches Lektorat und Korrektorat und endet mit einem Layout/Buchsatz, der sich von dem der Verlagsbücher möglichst nicht unterscheidet.

Und da haben wir neben dem Bereich des Marketings auch den zweiten großen Nachteil: Wenn man ein Buch professionell lektorieren, korrigieren und gestalten lassen will, kostet das Geld. Bisher habe ich pro Buch zwischen 600 und 1000 Euro dafür ausgegeben. Bei umfangreicheren Werken (meine liegen derzeit bei 150 bis 200 Seiten pro Titel bei den Serien) steigen diese Kosten selbstverständlich entsprechend, gerade im Bereich Lektorat/Korrektorat.

Doch das ist es mir wert! Und die beinahe durchweg positiven Rezensionen und Reaktionen meiner Leser beweisen, dass ich damit auf dem richtigen Weg bin.

Das Marketing, also die Werbung für meine verlagsunabhängig erschienenen Bücher, kostet nicht so sehr Geld, sondern extrem viel Zeit: das Erstellen von Werbematerialien, Lesungen, die sozialen Netzwerke, die nur dann hilfreich werden, wenn man sie täglich und dauerhaft betreut, und mein Blog, meine Homepages usw. Das alles sind enorme Zeitfaktoren, die man in klingende Münze besser nicht umrechnet. Allerdings bin ich ein sehr kommunikativer Mensch und liebe diese Tätigkeiten, deshalb verrichte ich sie nach wie vor gerne.

Da mittlerweile selbst Bestsellerautoren in großen Publikumsverlagen das Marketing für ihre Bücher in großem Umfang selbst in die Hand nehmen und dies von den Verlagen auch wohlwollend zur Kenntnis genommen bis hin sogar gewünscht und gefordert wird, unterschieden sich die Self-Publisher mit ihren Fragen und Problemen in diesem Bereich kaum noch von ihren Verlagskollegen.

Ein wirklich hilfreiches und ausreichend großes Werbebudget erhalten inzwischen immer weniger Bücher, nämlich solche, die zu den absoluten Spitzentiteln gehören (oder gemacht werden). Alle übrigen Autoren, auch welche, die sich, wie ich mit meinen historischen Romanen, bereits einen Namen gemacht und eine nicht geringe Leserschaft erarbeitet haben, müssen sehen, wo sie bleiben bzw. die Dinge selbst in die Hand nehmen.

Deshalb ist dieser Bereich in meinen Augen nur bedingt negativ einzuschätzen, denn als Verlagsautorin kämpfe ich ja ebenfalls an allen Fronten. Und selbst die Zusammenarbeit mit freien Lektoraten empfinde ich nicht als negativ, im Gegenteil. Abgesehen davon, dass mich jedes Lektorat schreiberisch weiterbringt, lerne ich bei der Zusammenarbeit mit freien Lektoren und Grafikern auch vieles über den Umgang mit Menschen. Und da man selbst vor all die Entscheidungen gestellt wird, die ansonsten ein Verlag übernehmen würde (Covergestaltung, Verfassen des Vorschau-/Klappentextes usw.), bekommt man zudem ein besseres Verständnis für Entscheidungen, die die Verlage immer wieder treffen (müssen).

Ich hatte da natürlich insofern einen klaren Vorteil, weil ich als "Mädchen für alles" im Verlag Eifelkrone nicht nur selbst Bücher lektoriert habe, sondern im gesamten Veröffentlichungs- und Werbeprozess involviert war, und zwar aus Sicht des Verlags. Das hat mir einiges an Verständnis für die Branche vermittelt und damit einen gewissen wissensmäßigen "Vorsprung" vor anderen Kollegen verschafft.

Nun zu den Vorteilen des Self-Publishings, die sich mit den "Nachteilen" teilweise decken: Ich habe mich für meine Krimiserie "Spionin wider Willen" für das verlagsunabhängige Publizieren entschieden, weil mir klar war, dass der Stoff bzw. das Konzept nicht in die Programme der großen Verlage hineinpasst. Es ist ein Genremix aus Krimi, Action, Romantik und Humor, und der passt nicht in die vorgefertigten Schubladen der Verlage. Außerdem sollen pro Jahr und in flexiblen Abständen mindestens drei oder vier Episoden erscheinen. So viele Programmplätze für nur einen Autor stehen kaum zur Verfügung.

Außerdem hat es mich gereizt, es einfach mal auszuprobieren und zu schauen, wo mich dieses neue Projekt hinführt. Ich habe festgestellt: Es macht mir riesigen Spaß. So sehr, dass ich mittlerweile noch zwei weitere Serien plane, die im Winter 2014/15 bzw. im Frühjahr 2015 an den Start gehen sollen. Und eine Reihe von Liebesromanen wird es unter dem Namen Mila Roth ab 2016 auch noch geben, dann allerding, man höre und staune, doch wieder in einem Verlag, nämlich bei Bookshouse.

Das ist es im Grunde, was ich unter "Indie Publishing" verstehe. Unabhängig und für jedes Projekt neu zu entscheiden, ob ich mit einem Verlag zusammenarbeiten oder ob ich es lieber komplett in Eigenregie verwirklichen möchte.

Diese Eigenregie ist es, die viele Autoren, ob nun neue oder gestandene, zum Self-Publisher werden lässt. Klar, man muss sich um alles selbst kümmern. Aber man DARF sich auch um alles selbst kümmern. Man kann selbst entscheiden, wie das Cover aussehen wird, in welchen Abständen man Bücher veröffentlicht, wie man seine Werbung in Szene setzt. Man vernetzt sich mit vielen anderen Autoren und Buchmenschen, lernt neue Dinge und verdient unter dem Strich mit einem qualitativ hochwertigen Buch oder eBook auch noch anteilsmäßig mehr als das bei einem Verlag möglich wäre.

Anteilsmäßig sage ich deshalb, weil man auch mit dem Self-Publishing nicht automatisch die Lizenz zum Gelddrucken erworben hat. Der prozentuale Anteil der Tantiemen, die beim Self-Publishing zu verdienen sind, liegt erheblich über den Honorarstaffeln der Verlage. Dafür muss man aber eben auch vorab einiges investieren (was ansonsten der Verlag täte). Und der Rubel rollt dann auch nur, wenn das oben erwähnte qualitativ hochwertige Buch dann auch ausreichend Leser findet. Womit wir dann wieder beim Marketing wären …

Lea Korte: Welche Entscheidungshilfe kann du Neu-Autoren mitgeben, wenn sich für sie die Frage stellt:Verlag oder Self-Publishing?

Petra Schier: Eine Entscheidungshilfe ist sehr schwierig zu formulieren. Es gibt Autoren, die die geborenen Self-Publisher sind, weil sie sich nicht scheuen, sondern Spaß daran haben, alle Schritte im Publikationsprozess plus die Werbung in die eigene Hand zu nehmen. Andere wiederum wollen sich wirklich nur aufs Schreiben konzentrieren und möchten einen Verlag als Partner zur Seite haben, der sich um alles Übrige kümmert.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Wunsch vieler Autoren (und dazu zählen die Self-Publisher selbstverständlich auch), ihre Bücher und/oder eBooks nicht nur in den Online-Shops zu wissen, sondern auch im stationären Buchhandel. Und das ist derzeit einfach noch die Hauptdomäne der Verlage. Nur durch den Einsatz des Verlagsvertriebs und seiner Strukturen erreicht man eine teilweise oder gar flächendeckende Präsenz in den Buchhandlungen. Das gilt allerdings nur für die mittleren und großen Verlagshäuser. Kleinverlage können das kaum oder gar nicht leisten. Andererseits sind kleinere Verlage häufiger bereit, Bücher abseits des Mainstreams zu verlegen und auch mal ein Experiment zu wagen. Wohingegen große Verlage in der Hauptsache auf marktgängige Titel und Trends setzen (müssen).

Meiner Meinung nach wird es zukünftig immer mehr "Hybridautoren" geben, also solche, die sowohl in Verlagen als auch als Self-Publisher veröffentlichen. Ganz einfach, weil beide Wege viele Vor- und Nachteile haben, die sich jedoch auf die eine oder andere Weise gegenseitig ergänzen und mit Glück sogar befruchten können.

Lea Korte: Bei selbstverlegten Romanen spielt das Marketing natürlich eine noch größere Rolle als bei Romanen, die man in einem Verlag veröffentlicht. So wundert es nicht, dass Marketing in sozialen Netzwerken eines deiner großen Themen ist. Welche Tipps kannst du Autoren mit auf den Weg geben?

Petra Schier: Wie lang soll dieses Interview werden? *lach*

Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten. Es gibt so viele Marketingwege, wie es Bücher und Autoren gibt. Was für den einen funktioniert, kann für den anderen vollkommen unbrauchbar sein.

Wichtig ist es, ein Konzept zu erarbeiten, mit dem man sich selbst wohl fühlt. Wenn man sich für eine Webemaßnahme verstellen muss, sollte man die Finger davon lassen. Das gilt insbesondere fürs Bloggen und die sozialen Netzwerke. Wer daran absolut keinen Spaß hat, aber glaubt, er müsse dieses oder jenes tun, weil es alle tun, der wird schwerlich große Erfolge einfahren.

In allem, was man tut, sollte man authentisch bleiben, denn nur dann kann man wirklich eine "Beziehung" zu den (potenziellen) Lesern aufbauen und sie auch dauerhaft und mit Freude erhalten und ausbauen.

Lea Korte: Welches Computerprogramm verwendest du beim Schreiben? Welche Vorteile hat es für dich, gerade dieses Programm zu verwenden?

Petra Schier: Ich schreibe jetzt seit zwei Jahren mit Papyrus Autor und frage mich, warum ich so lange gezögert habe, darauf umzusteigen. Das Programm enthält wirklich alle Features, die man sich als Autor wünschen kann. Alles ist gut durchdacht, und wenn man sich erst einmal eingearbeitet hat, wird man nicht mehr gerne nur mit Word arbeiten wollen. Obgleich ich hinzufügen muss, dass ich nach Fertigstellung eines Manuskripts dann doch zu Word wechsele, ganz einfach, weil meine Lektoren (sowohl die in den Verlagen als auch die freien) nur mit diesem Programm zurechtkommen.

Doch bis zu diesem Punkt ist Papyrus für mich das Non plus ultra. Ich kann Klemmbretter (Pinnwände) erstellen und dort Notizen, Rechercheergebnisse oder Textschnipsel ablegen, habe einen Zeitstrahl zur Verfügung und eine tolle Navigationsleiste, über die ich mich durch das Manuskript bewegen kann. Ich kann im Text Hyperlinks zu Figuren, Gegenständen und Orten hinterlegen und diese mit Daten füttern, die sich dann ganz leicht wiederfinden bzw. aufrufen lassen. Auch die Dudenkorrekturhilfe und die Stilanalyse sind Funktionen, auf die man ganz schnell nicht mehr verzichten möchte.

Lea Korte: Hast du noch einen besonderen Rat, den du Jungautoren mit auf den Weg geben kannst?

Petra Schier: O ja, aber diesen Rat haben sie bestimmt auch schon von anderen gehört: Lesen, lesen, lesen! Und: Schreiben, schreiben, schreiben! Nur durch diese beiden Tätigkeiten und ein gerüttelt Maß an Kritikfähigkeit kann man es als Schriftsteller zum handwerklichen Können bringen.

Und noch eines möchte ich hinzufügen, weil man es so leicht aus den Augen verliert: Niemals aufgeben! Wer wirklich an etwas glaubt, wird auch alles Mögliche und Nötige dafür tun. Und das ist der Weg, der zum Ziel führt.

Ich danke dir sehr für dieses Interview!

Ich danke dir, liebe Lea, für die Gelegenheit, deine interessanten Fragen beantworten zu dürfen.

Einen herzlichen Gruß an alle Leser da draußen!

http://www.petralit.de   oder http://www.petra-schier.de

http://www.mila-roth.de